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Kaiserverlag

Aktuelle Stücke

Streik der Diebe

von Georg Mittendrein
5D / 13H / div. Kleinrollen, Doppelbesetzung möglich / Simultanbühne
nach dem Film-Exposé von Jura Soyfer

Ein Gaunermusical

In den 1930er hat kaum jemand Geld. Das müssen auch die Diebe feststellen, denn jeder dritte Tresor ist leer, ob nun in eine Bank eingebrochen wird oder in große Villen.

So kann das nicht weitergehen, denn wie sollen die Herren Diebe ihren Lebensunterhalt verdienen? Denn schließlich bekommt dieses Gewerbe keine staatlichen Hilfen. Hans Hupka, ein Gentleman-Einbrecher, setzt sich an die Spitze der neu gegründeten Dachorganisation der Diebe und deren Damen. Beherzt wird ein forscher Brief aufgesetzt und an die hiesige Zeitung geschickt: Man fordert energische Herabsetzung der Strafen und Verminderung des Risikos für Diebe entsprechend ihrem verminderten Einkommen. Sollte dem nicht nachgekommen werden, will man streiken.

Bankerball bei Kesslers, alles ist anwesend, was Rang und Namen hat. Kessler gibt soeben die Verlobung seiner Tochter Lilian mit Moritz Meininger bekannt, als Chefredakteur Lallmeier vom „Abendcourier“ hereinplatzt. Er übergibt dem Wirtschaftsminister den besagten Brief. Die anwesenden Herrschaften lachen sich fast zu Tode.

Doch das Lachen vergeht ihnen bald, denn die Diebe machen ihre Drohung wahr. Sie sind gut organisiert, und zum ersten Mal in der Geschichte ist die Stadt kriminalitätsfrei. Man stelle sich das so vor: Die Menschen holen ihr Geld von der Bank, da es keine Einbrüche gibt, können sie es ruhig zuhause herumliegen lassen, daher sind auch Versicherungsraten nicht mehr notwendig, Polizeibeamte können abgebaut werden, der Kauf von Safes und Sicherheitsschlössern geht zurück, was wiederum die Metallwerke in Auftragsnot bringt und vor allem – keine Schlagzeilen mehr für die Presse.

In ihrer Not gehen Bankdirektor Kessler und Chefredakteur Lallmeier gemeinsam auf Einbruchstour, damit wieder etwas Leben in die Kriminalität kommt. Doch sie werden von den Streikposten der Diebe geschnappt.

Endlich können sich beide Delegationen am Wirtshaustisch des „Grünen Heinrich“ einigen. Die Diebe gehen wieder stehlen und die Wirtschaft wird damit angekurbelt.

Gentleman-Gauner Hans bekommt obendrein Kesslers Tochter Lilian, und auch Kessler selbst geht in Liebesdingen nicht leer aus.


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letzte Nacht der Welt, Die

(La dernière nuit du monde) von Laurent Gaudé
Aus dem Französischen von Margret Millischer
Besetzung variabel / Simultanbühne
frei zur dtspr. EA

Mehrstimmiger Monolog

Es geht um die Vorstellung einer Welt, in der der Schlaf abgeschafft bzw. mit Hilfe einer Tablette auf 45 Minuten verkürzt werden kann. Durch diese gesellschaftliche Revolution können nutzlose Zeiten eliminiert, der Tag „entlastet“ und die Produktion gesteigert werden. Ökonomische Überlegungen und die Vorrangstellung des Arbeitslebens zerstören aber gleichzeitig private Beziehungen. Die beiden Protagonisten Gabor und Lou verlieren einander, der vielversprechende Aufbruch in eine neue Welt verwandelt sich in eine desaströse Dystopie. Gegenwart und Rückblicke in die Zeit davor, Monologe und Dialoge wechseln einander ab.

Man kann das gesamte Stück wie einen langen mehrstimmigen Monolog spielen. Doch man kann sich auch dafür entscheiden, die Rollen wirklich zu verteilen und auf der Bühne eine Art „Stationentheater“ aufbauen.


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Die Kunst, (immer!) Recht zu behalten

(KUNSTEN (ALTID!) AT FÅ RET) von Rune David Grue
Aus dem Dänischen von Hans-Peter Kellner
1D / 2H / 1DEK
frei zur dtspr. EA

38 Kunstgriffe um jede Diskussion zu gewinnen

Nach „Die Kunst, Recht zu behalten“ von Arthur Schopenhauer

Mit seiner klugen Fibel sophistischer, spitzfindiger und ganz und gar nicht sauberer Methoden, wie man jeden Gegner aufs Kreuz legen kann und alle Debatten gewinnen, hat der exzentrische Philosoph 1830 einen Ratgeber geschrieben, der heute mehr denn je in Verwendung steht – im Privaten wie im Beruf, in der Gesellschaft wie im Sozialen und natürlich unübersehbar in der Politik:

Wie man Unwahrheiten behauptet, ohne je einer Lüge bezichtigt werden zu können, seinem Widersacher die Worte im Mund verdreht, dessen Argumente stiehlt oder geschickt daraus falsche Schlussfolgerungen zieht. Denn es geht schließlich nicht darum, Recht zu haben, sondern Recht zu bekommen, oder?

Hier werden alle die Tricks durchgespielt, die Politiker, Journalisten, Spin-Doktoren, Blogger und Influencer gerne verwenden, um die Oberhand zu gewinnen. Aber auch unsere Kollegen, die liebe Familie und sogar die besten Freunde können das. Ein Leitfaden, wie man jede – auch schon verloren geglaubte – Diskussion garantiert gewinnt. Anders gesagt: Ein Selbsthilfekurs, den man besuchen sollte, bevor es der Partner tut.  


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Ergonom, Der

von Fink Kleidheu
3D / 4H / Simultanbühne
frei zur UA

Melkie mit seinem Geld ist sehr willkommen in dem kleinen Ort Grotten. Erst unlängst kam es dort zu einer Überflutungskatastophe ausgelöst durch den Klimawandel, aber irgendwie war auch Gift in die Abwässer gekommen.

Melkie spendiert einen Kletterpark für die Kinder. Die Ausläufer dessen ragen in ein Naturschutzgebiet und Flächen müssen für den Parkplatz versiegelt werden. Als Reaktion auf wütende Proteste spendet er – steuerlich absetzbar – einen sechsstelligen Betrag an eine Baumschule in Brasilien.

Währenddessen finden Untersuchungen zum Unglück der Überflutung statt, die bescheinigen, dass es Unregelmäßigkeiten im Plastikwerk am Rande der Stadt gegeben habe. Der Hochwasserschutz wurde aus Kostengründen vernachlässigt. Ins Wasser gerieten so „Ewigkeitschemikalien“, die die Umwelt niemals abbaut. Bürgermeister Steiner will aus China einen Wirkstoff erwerben, der diese Chemikalie neutralisieren soll.

Britta kennt Melkie von früher, da war er noch Denunziant und hat sie mit seinen Anschuldigungen ins Gefängnis gebracht.

Es kommt zu Lieferschwierigkeiten des chinesischen Rettungsankers. Steiner hat Angst, dass man ihm draufkommt, dass Gift im Fluss ist. Er bittet Mielke ihm zu helfen, der hat Kontakte zu allen korrupten Staaten. Im Gegenzug dazu darf seine Frau Anjuscha beim nächsten Stadtfest singen.

Melkies Nachbarin, die junge Lene, findet heraus, dass es Hinweise zu sexuellen Übergriffen Melkies gibt.

Während des Festes zu St. Johannis stürzt ein fünfjähriger Junge in den Bach, ein Steg ist zusammengebrochen, als das Kind drübergelaufen ist. Schlechte Qualität eben. Den Zuschlag – selbstverständlich nach einer Ausschreibung – hatte ein Kumpel von Melkie für den Bau des Kletterparks bekommen, weil er das günstigste Angebot legte.

„Melkies Anwälte brachten es fertig, den Tod des Kindes einzig auf die im Wasser befindliche Substanz zu schieben … mehrere unabhängige Gutachter bekamen viel Geld für entsprechende Aussagen.“ Einen Tag vor dem Unglück wurde die chinesische Substanz in den Fluss geleitet. Tage später findet man die Leiche des Bürgermeisters Steiner beim Forellenteich.

Melkie lebt nun in einer Villa am Zürichsee.  

Fink Kleidheu hinterfragt in seiner aktuellen Tragikomödie mit Chor die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels auf eine demokratische Ortsgemeinschaft und das daraus resultierende Negieren von moralischen Standards im Krisenmanagement. Er beschreibt Abhängigkeiten von globalen kapitalistischen Machtstrukturen und unbeholfene Versuche, sich dagegen aufzulehnen.


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Doors (No Exit)

von Fink Kleidheu
2D / 2H / 1DEK
frei zur ÖEA

Ein musikalisch-existentialistischer Trip

UA Theater Gütersloh, 3. September 2022
UA Theater Gütersloh, 3. September 2022

Eine versteckte Anzeige im Internet bewirbt den Aufenthalt in jenem Pariser Appartement, in welchem Jim Morrison starb. Unabhängig voneinander mieten sich dort der Musiker und The Doors-Fan Joe sowie die Soziologie-Studentin und Aktivistin Ada ein. Eine verhängnisvolle Entscheidung, denn die Geister, die Morrison rief, haben das Haus offenbar niemals verlassen. Als schließlich Valeria, von einem undurchsichtigen Liftboy hereingebracht, dazustößt, die an einem Musical über Morrison arbeitet, mit dem sie angeblich liiert ist, artet die Unternehmung endgültig in einen unberechenbaren Trip mit ungewissem Ausgang aus.

In Anlehnung an Jean-Paul Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ (englischer Titel: „No Exit“) taucht das Stück mit viel Musik tief in den Kosmos Jim Morrisons ein. „People are strange“, das soll sich anhand dieser Begegnung in Paris facettenreich widerspiegeln, wo der mysteriöse Tod des Doors-Frontmanns, Lyrikers und Idols von Generationen ihn vor 51 Jahren endgültig zur Legende werden ließ.


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Heaven – Himmel

von Michaela Obertscheider
1D / Simultanbühne

Wenn man nicht gerne spricht, muss man sein Talent aufs Schreiben verlegen.

So wie Hannah, ein junges Mädchen, das darunter leidet, nicht sprechen zu wollen, zu können. Alltägliche Dinge – wie z.B. im Sommer ein Eis bestellen – werden zur Qual. Die Lehrer möchten sie fördern, doch ihre Mitschüler*innen grenzen sie aus. Bis auf die bei allen beliebte Konstanze, die mag sie, weil sie so ruhig ist. Eine zarte Freundschaft entsteht.

Zuhause läuft auch nicht immer alles rosig. Der Vater und der Bruder gingen im Streit auseinander. Gerne taucht Hannah in Traumwelten ein; Helen Keller wird ihr großes Vorbild. Das junge Mädchen erkennt letzten Endes, dass doch alles richtig ist mit ihr.  

Die Autorin lässt das Publikum tief in die Seelenwelt einer jugendlichen Außenseiterin blicken und zeigt die emotionalen Verschlingungen einer verunsicherten Heranwachsenden. 


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Loreley (Sinking Ships)

von Fink Kleidheu
2D / 2H / Simultanbühne
frei zur ÖEA
ca. 100 Min

Musikalische Tragikomödie

Lily wohnt mit ihren Eltern direkt am Rhein, neben einem Atomkraftwerk.

Ihr Freund Luc auf der französischen Seite hat mittels Cyberwear eine Störung im Kraftwerk vorgetäuscht. Während einer Demonstration gegen die Atomkraft geht der Alarm los. Eine Teilnehmerin springt vor lauter Schreck in den Fluss. Lily und Luc fliehen, weil sie denken, man könnte ihnen wegen des Cyberangriffs auf die Schliche kommen und sie für den vermeintlichen Tod dieser Frau zur Verantwortung ziehen.

Aus der Zeitung erfahren sie, dass die Tochter des Rocker-Club-Präsidenten – den sie für einen Mafioso halten – beim Fehlalarm im AKW ums Leben kam. Nun ist auch noch die Mafia hinter ihnen her. Sie setzen ihre Flucht auf einem Fischerkahn fort. Als sie in Speyer an Land gehen, kommen sie nicht rechtzeitig zurück und sie schließen sich Bob an, der lädt sie ein, mit ihm auf der „Rheingold“ flussabwärts zu fahren.

Am Loreley-Felsen ereilt sie schließlich ihr Schicksal …

Nach „Island One Way“ und „Der letzte Cowboy“ bildet „Loreley“ den Abschluss einer Trilogie von Stücken, die mit verschiedenen Erzählebenen spielen und von den unsteten Sinnsuchenden unserer Zeit erzählen.


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Alles den Bach runter oder Die Kuh 3030

(Partir dans tous les sens ou La vache 3030) von Tristan Choisel
Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche von Wolfgang Barth
variabel / Simultanbühne
frei zur UA

Der junge Jules ist hin- und hergerissen, hin- und hergerissen in Jules und Jules B.

Jules macht ein Landwirtschaftspraktikum auf einem Bauernhof. Er hat sich für diese Ausbildung entschieden, weil er Tiere mag und gerne in der Natur ist. Doch der Bauer, bei dem er gelandet ist, ist ein Rüpel. Jules zweifelt, ob das der richtige Weg für ihn ist. Aber der junge Mann weiß nicht, was er sonst machen will. Es geht ja doch alles den Bach runter, was Jules B schon lange weiß.

Unter den 55 Kühen ist eine störrischer als alle anderen, sie hat die Nummer 3030.

Jules B. hat Probleme mit dem Praktikumsbetreuer, denn Jules hat eigentlich keine Ahnung von Landwirtschaft. Außerdem hat der Praktikumsbetreuer auch einen Praktikumsbetreuer B; der eine will friedlich sein, der andere muss tragische Kindheitserlebnisse kompensieren. Wenn er brüllt und zuschlägt, bekommt er seine Würde zurück.

Als Jules eines Tages nach dem Melken die Kühe auf die Weide zurücktreibt, vergisst er, das Tor zu schließen. Doch Jules B. war es, der ganz bewusst entschieden hat, das Tor nicht zu schließen…

Die scharfsinnige und launige Erkenntnis eines jungen Menschen über die aktuellen Probleme der Landwirtschaft. Tristan Choisel hat ein unglaubliches Gespür für gute Themen und schreibt formvollendet. Die Theater müssten sich auf seine Texte stürzen.


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Wir waren zuerst da

von Magdalena Marszalkowska
aus dem Polnischen von Danuta Strobl
3-4D / 2-4H / 1DEK
frei zur UA

„Il Paradiso“ – ein All-Inclusive-Hotel irgendwo, wo es warm ist und man einen schönen Urlaub verbringen kann.
Eva und Adam besetzen schon früh am Morgen die besten Liegen am Pool. Sie erstellen einen Casting-Katalog, damit prüfen sie Anna und Tom, um festzustellen, ob sie auch freizeit-kompatibel sind. Denn schließlich will man ja wissen, mit wem man seine Zeit am Pool verbringt.
Die vier haben alle ihre Probleme in den Urlaub mitgenommen. Hier am Pool werden diese ausgepackt und aufbereitet
Das Stück behandelt mit amüsant-frechem Wortwitz Urlaubsfreud und –leid, eine köstliche Parodie auf das blasierte Freizeitverhalten der Gesellschaft angesichts der besorgniserregenden Beschaffenheit der Welt.


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Pension Schöller

von Susanne Lietzow
4-6D / 6-9H / 3DEK
frei nach Carl Laufs/Wilhelm Jacoby

Komödie

© Herwig Prammer, Landestheater Linz
© Herwig Prammer, Landestheater Linz

Die Geschichte der berühmten Komödie ist weithin bekannt. Der geniale Trick dieser Fassung ist, die Handlung in die 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts zu verlegen, wo politische Unkorrektheit fröhliche Urstände feierte. Die Verrücktheit der Pensionsgäste wird durch die Schrillheit der Zeit wie durch einen Brandbeschleuniger angeheizt. Susanne Lietzow gelingt es, einen alten Theaterschatz zu heben und im neuen Glanz mit viel Shabby-chic fulminant in Szene zu setzen. Dauerlachen garantiert.

Privatier Klapproth, vom Leben in der Provinz gelangweilt, kommt nach Berlin und möchte endlich auch mal was erleben. Als sich die Hauptstadt jedoch nicht viel aufregender zeigt als Klapproths Heimatstadt, drängt er seinen Neffen Alfred, ihm das ersehnte Abenteuer zu verschaffen. Alfred hegt schon mancherlei Befürchtung, was der Onkel wollen könnte und jetzt kommt’s: Ein Besuch in einer geschlossenen Anstalt, die Besichtigung echter Verrückter, das ist der Kick, den der Erbonkel haben will. Nur hat sein Neffe in der Richtung keinerlei Beziehungen. Allerdings hofft er auf Geld von seinem Onkel und will ihn darum nicht enttäuschen. Die wilde Hilde, Alfreds Kneipenwirtin, verschafft ihm Zugang zur Pension Schöller, ein Hotel für Dauergäste, die so verschroben sind, dass sie locker als Verrückte durchgehen. Und zunächst klingt dieser Plan bestechend. Doch in die Tat umgesetzt, erlebt der Onkel sein blaues Wunder.


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Anne auf Green Gables

von Thomas Birkmeir
8D / 5H / Simultanbühne

UA Theater der Jugend, Wien, Dezember 2021 © Rita Newman

Anne wird als Neugeborenes von ihrer Mutter vor einem Nonnenkloster ausgesetzt. Die Nonnen nehmen sie gerne auf, sie sind gut zu ihr, sie hat nun viele Mamas.

Das Kloster brennt nieder. Die Nonnen müssen zurück in ihr Mutterhaus, Anne dürfen sie nach Weisung des Bischofs nicht mitnehmen. Die Achtjährige kommt in ein Waisenhaus, das von dem bösen Captain Crow geleitet wird. Die Kinder müssen arbeiten, leiden Hunger, frieren, dürfen nicht in die Schule gehen. Anfangs ist Anne noch störrisch. Doch dann fügt sie sich scheinbar und wird zu Crows Liebling, der ihr vertraut. Bis eines Tages er sich betrunken niederlegt. Anne fesselt ihn mit Handschellen an sein Bett und läuft fort. Das Mädchen läuft zwei Tage, bis sie Matthew trifft. Der nimmt sie mit auf Green Gables zu seiner Schwester Marilla. Die weigert sich zuerst, dem zerlumpten und schmutzigen Mädchen ein neues Zuhause zu geben, doch Anne hat so viel Charme und Liebenswürdigkeit, dass auch Marilla sie ins Herz schließt. Anne ist glücklich auf Green Gables.

Eines Tages kommt die neugierige Mrs. Lynde zu Besuch, sie spricht abfällig über Anne. Und auch Anne, nicht auf den Mund gefallen, beleidigt Mrs. Lynde. Marilla bittet Anne später, sich bei Mrs. Lynde zu entschuldigen. Das verursacht bei Anne eine Krise. Schließlich, nach drei Tagen der Grübelei, läuft Anne zu Mrs. Lyndes Haus und sprudelt eine unbeholfene Entschuldigung hervor. Als Mrs. Lynde sich umdreht, ist es gar nicht Mrs. Lynde, sondern deren Tochter Diana. Diana sieht ihrer Mutter zum Verwechseln ähnlich, die Mutter will das so, um jung gehalten zu werden. Doch Diana hasst das. Anne und Diana beschließen Busenfreundinnen zu werden. Als Akt der Revolte schneidet Anne Diana die Locken ab, die sie hasst. Dafür wird ihr von Mrs. Lynde der Krieg erklärt …

Ein zu Herzen gehendes Kinderschicksal einer Außenseiterin. Das Mädchen schafft es mit viel Mut in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden und Liebe zu finden.

Die Uraufführungsproduktion am Theater der Jugend/Renaissancetheater, Wien im Dezember 2021 wurde in vier Kategorien für den Deutschen Musical Theater Preis 2022 nominiert:

„Bestes Musical“
„Bestes Buch“ für TDJ-Direktor Thomas Birkmeir
„Beste Regie“ für TDJ-Direktor Thomas Birkmeir
„Beste Choreographie“ für Kaj Louis Lucke

Der Preis für „Beste Regie“ ging an Thomas Birkmeir.


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Schimmelreiter

von Gernot Plass
3D / 5H / Simultanbühne
frei zur ÖEA

Dramatisches Gedicht

Spannend auch für Nicht-Friesländer.

Schon als Kind war Hauke Hain den Dorfbewohnern nicht ganz geheuer. Er hilft lieber dem Vater beim Deichbauen und ist selbst sehr geschickt beim Ausrechnen von Landstücken.

Als junger Bursche verdingt er sich als Kleinknecht beim Deichgraf. Der kann ihn auch als eine Art Buchhalter gut gebrauchen, das passt aber dem Großknecht Ole nicht, dass der Kleinknecht von der Arbeit deswegen weggeholt wird. Schließlich wird Hauke Großknecht und muss auch weiterhin die Bücher führen.

Nach dem Tod des Deichgrafen wird Hauke auf Empfehlung des Pastors und weil er Elke, die Tochter des verstorbenen Grafen, heiraten wird, der neue Deichgraf, weil er viel Nützliches für die Gegend getan hat. Die Deiche müssen schließlich unter ständiger Beobachtung gehalten werden, die Schleusen repariert. Dann will er einen neuen Deich anlegen, Hauke berechnet und plant alles genau.

Elke bringt nach langen Jahren eine Tochter, Wienke, zur Welt, doch sie ist geistig behindert. Hauke ist bald der reichste Mann in der Gegend, aber nicht sehr beliebt.

Eines Winters wird er krank, noch nicht ganz gesundet, macht er einen Kontrollritt zu den Deichen und stellt fest, dass sie unterhöhlt sind. Er will, dass der alte Deich geschliffen und der neue erweitert wird. Doch die Dorfbewohner lehnen ab, zu teuer, zu viel Arbeit. Im folgenden Herbst zerstört ein Unwetter die Deichanlagen. Hauke muss mitansehen, wie Elke und Wienke in den Sturmfluten zu Tode kommen, er stürzt sich mit seinem Schimmel ebenfalls in die Fluten und stirbt.


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Maria

von Gernot Plass
3D / 6H / Simultanbühne
frei zur UA

Elisabeth von England fürchtet um ihre Legitimität und deshalb auch um ihren Thron. Sie hält ihre schottische Kusine Maria Stuart auf Fotheringhay gefangen.

In fetzigen Dialogen werden die letzten Tage von Maria Stuart gezeichnet. Verzweifelte Versuche von ihr selbst und der ihr ergebenen Männern treiben sie nur noch tiefer in die Malaise und schließlich aufs Schafott.


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Heinrich V

von Gernot Plass
2D / 6H / Simultanbühne
frei zur UA

Weil Heinrich V einen Großteil des Kirchenschatzes einziehen will, will ihn der Erzbischof von Canterbury ablenken. Er treibt ihn in einen Erbschaftskrieg mit Frankreich. Um einen Angriffskrieg zu rechtfertigen, wird dieser als Verteidigung ausgegeben, denn englische Adelige planen im Auftrag Frankreichs Heinrich zu ermorden.

Abgesandte sprechen beim französischen König vor und verlangen, dass er die Krone zugunsten Heinrichs niederlegen soll. Nicht akzeptabel. Der Krieg beginnt.

Da Heinrichs Soldaten vom Durchfall geplagt werden, bietet der englische König dem französischen König einen Waffenstillstand an. Doch die Franzosen versperren den Engländern den Weg. Es kommt zur Schlacht bei  Azincourt.

20 Jahre später – in Erinnerungen wird die Schlacht erzählt. England hat gesiegt. Heinrich befahl, auch die französischen Adligen zu töten. Heinrich wird also auch König von Frankreich. Bis unter der Jungfrau von Orleans sich Widerstand regt und die Engländer aus dem Land gejagt werden.


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Empört Euch, Ihr Krähwinkler!

von Gernot Plass
5D / 5H / Simultanbühne
Frei zur DEA
ca. 110 Min

UA TAG/MUK 2016

Revolution – die Bürger von Krähwinkel sind begeistert, die „Honoratioren“ entsetzt über diese Nachrichten. Die Bürger planen den Aufstand, doch leider gibt es in dem kleinen Nest keine Studenten und somit auch keine „klassischen“ Revolutionäre. Also müssen sich klammheimlich die Frauen eine Lösung zur Neuordnung der Krähwinkler Welt einfallen lassen …

Bei Gernot Plass kommt die Zentralfigur Ultra aber nicht mehr aus dem „glorreichen, freiheitsstrahlenden Österreich“ in das finstere Krähwinkel, sondern aus dem neukommunistisch unionierten Bundesstaat Europa. Eine theatrale Utopie für ein Europa in der Krise.

(TAG, Wien)


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Macbeth (reloaded)

von Gernot Plass
4D / 6H / Simultanbühne
frei zur DEA
ca. 125 Min

Ein verhextes Stück Theater

UA TAG, 2018

Macbeth, das finstere schottische Stück.

Direkt aus der Hölle raunen Hexen Macbeth seine vorherbestimmte Zukunft, prophezeien den größten aller Aufstiege und setzen damit das Desaster auf Schiene. Die nachhaltige Manipulation der Lady Macbeth tut ihr übriges.

Eine archaische Vorzeit trifft auf modern schillernde Charaktere und geht in dieser fünffüßig getakteten Sprechoper der brennenden Frage nach der Unumkehrbarkeit des Schicksals nach. Ist alles Vorherbestimmung? Gibt es so etwas wie freie Entscheidung überhaupt? Oder ist doch alles nur Zufall?

Gernot Plass packt den shakespeareschen Handlungs- und Konfliktkern in ein rasantes, sprachgewaltiges, scharfzüngiges und zeitkritisches Kostüm. Sprachlich wie inhaltlich ein runderneuerter Klassiker-Hit, der mit viel Witz und Tempo eines der berühmtesten Bühnenstücke ins Heute holt.

(TAG, Wien)


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Medea!

von Gernot Plass
2D / 2H / Chor / Simultanbühne
frei zur DEA
95 Min

TAG, 2019

Medea, die Entführte, Liebende, Betrogene und in die Verbannung Gestoßene, begibt sich auch bei Plass auf den blutigen Weg hin zu ihrer Rache. Themen der Kolonialisierung, der Ausbeutung, des Rassismus, unseres Umgangs mit dem Fremden bis hin zu Außenhandelsverträgen mit Entwicklungsländern klingen an. Aufbereitet in brutalen Konfliktdialogen entfaltet sich eine vielschichtige Handlung mit neuen Wendungen zu einem schauerlichen Vergnügen. Traditionell umrahmt immer noch von einem attischen Chor, dessen Bühnenkraft und epische Funktion genutzt wird, um das Geschehen zu kommentieren.

Gernot Plass erfindet einerseits einen völlig neuen Plot. Zum anderen startet er aber auch den Versuch, mit den Augen der tragisch gestimmten Griechen auf das verlöschende Feuer unserer Beziehungen, Ehen und Abschnittspartnerschaften der Jetztzeit zu blicken. Ein Rätsel, unbegreifbar, der Zerstörung anheimgegeben. Blut fließt. Götter werden angerufen. Leid und Gewalt reichen sich unter den Schreien des Entsetzens die Hand.

Ein Muss für alle, die den jahrtausendealten Kampf der Geschlechter auf den Feldern der Treue, der sexuellen Begierden, der Wünsche, Sehnsüchte und des Betrugs in den berühmten Szenen einer Ehe erneut und erneuert erleben wollen.

(TAG, Wien)


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Viel Lärm um nix!

von Gernot Plass
3D / 5H / Simultanbühne

Die Brüder Don Juan und Don Pedro führten Krieg gegeneinander. Don Juan, der Aggressor, ist jetzt der Gefangene von Don Pedro.

Claudio will Hero heiraten, aber er ist so schüchtern und traut sich nicht fragen. Don Pedro will sich bei einem Maskenball als Claudio ausgeben und Hero so für Claudio gewinnen. Doch der intrigante Don Juan, angestachelt von Borachio, trägt Heros Vater, Leonato, zu, dass Don Pedro um Heros Hand anhalten will. Leonato ist begeistert, ein echter Prinz für seine Schnecke! Don Juan erzählt Claudio, indem er vorgibt, er hält ihn für Benedikt, dass Don Pedro Hero für sich selbst will. Don Pedro kann das wieder richtigstellen.

Don Pedro möchte Beatrice und Benedikt miteinander verkuppeln, die einander aber nicht ausstehen können. „Zufällig“ belauscht Benedikt Don Pedro, Leonato und Claudio. Sie sprechen darüber, dass Beatrice unsterblich in Benedikt verliebt sei. Bei Beatrice sprechen Hero und Claudio über die geheime Liebe Benedikts zu ihr.

Borachio drängt Don Juan zu einer neuen Intrige. Dieser erzählt Don Pedro und Claudio, Hero sei untreu. Um Mitternacht würde sie sich mit einem anderen Mann treffen. Borachio schmust aber nur mit Heros Zofe in deren Kleid herum und alle lassen sich zum Narren halten. Na prompt beschimpft Claudio am nächsten Tag seine geliebte Hero und lässt sie vor dem Traualtar stehen. Hero fällt in Ohnmacht, der Pater schlägt vor, sie für tot zu erklären. Claudio würde dann Reue zeigen.

Aber Claudio schießt Leonato nieder, als der ihm die Nachricht von Heros vermeintlichem Tod bringt, weil Leonato ihn beschimpft hat. Benedikt fordert Claudio zum Duell, denn seine geliebte Beatrice will, dass er ihn tötet. Leonato hat aufgrund der Verletzung das Gedächtnis verloren.

Die Schweinerei kommt ans Licht, dann stellt sich noch heraus, Don Juan ist eigentlich Juanita, eine Verflossene von Don Pedro. Alles renkt sich wieder ein, alle sind glücklich.


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Richard 3

von Gernot Plass
2D / 6H / Simultanbühne

Kurzzeitkönig Richard der Dritte von England aus dem Hause York brachte es wie kaum ein anderer englischer Herrscher zu so langanhaltendem literarischem Ruhm. Als Shakespeare´s Bösewicht par excellence ist er eine begnadete Rolle für jeden Schauspieler. Machtbesessen, skrupellos, mordlüstern – bis zur endgültigen Niederlage in der Schlacht bei Bosworth – intrigiert und lügt er sich durch sein Leben. Und steht letzten Endes doch nur wieder ohne Pferd da.

Geschrieben in rasantem Versmaß peitscht uns der Autor durch einen Teil der englischen Geschichte. Bezüge zum Heute sind gekonnt eingebaut und weisen schmerzlich darauf hin, dass auch über 500 Jahre später die „kultivierte Gesellschaft“ nicht viel besser geworden ist.


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Don Juan

von Gernot Plass
2D / 4-5H / Simultanbühne
frei zur DEA

Fassung sehr frei nach Moliere

In einem aberwitzigem Tempo poltert Don Juan in der Fassung von Gernot Plass durch seine Abenteuer.
Auf seinem Weg in die Hölle entehrt er Frauen, betrügt schöne Mädchen, quält seinen Diener, killt Väter, Ehemänner und Gläubiger.

Auch hier weiß man nicht, ob Don Juan Donna Anna vergewaltigt oder sie auch nur ihren Spaß haben wollte. Jedenfalls erschießt Juan Annas Vater, den Komtur, der ist Polizeichef der Stadt, was Don Juan nicht beeindruckt. Diener Sganarelle drängt zur Flucht.

Donna Elvira verfolgt Don Juan. Er hat sie zuerst aus dem Kloster ent- und dann verführt. Sie erschießt ein ganzes Squad-Team. Doch Don Juan hat schon neue Eroberungspläne. Don Juan und Sganarelle rammen bei einer Bootsfahrt absichtlich ein anderes Boot, um Bekanntschaft mit einer Hübschen zu machen. Nur leider geht die Hübsche dabei über Bord und ertrinkt. Der Herr und sein Diener werden aus der Seenot von Pierrot gerettet, der bringt sie zu sich nach Hause, wo Mathurine, Pierrots Schwester, Don Juans Avancen erliegt.

Pierrot hat eine Braut, Charlotte. Auch die verfällt den Verführungskünsten des Ladykillers. Mathurine und Charlotte geraten sich in die Haare. Da erscheint Don Octavio, der Mann der Ertrunkenen. Don Juan schießt ihn über den Haufen.

Don Juan und Sganarelle fliehen in den Wald. Dort treffen sie Don Carlos, der von Räubern bedroht wird. Don Carlos glaubt, Don Juan hat die Räuber in die Flucht geschlagen und er verdanke ihm nun sein Leben. Don Carlos ist auf der Suche nach dem Schänder seiner Schwester – das ist die Elvira aus dem 1. Akt – er weiß aber nicht, wie der aussieht. Da kommt Don Alonso dazu, Bruder von Don Carlos, der erkennt Don Juan und will ihn killen. Don Carlos überredet Don Alonso, es auf den nächsten Tag zu verschieben.

Plötzlich erscheint Dimanche. Dimanche ist Vorrang-Gläubiger, er will sein Geld von Don Juan. Don Juan tut so, als wäre er verwirrt. Don Carlos stürzt herbei – heute wäre schon morgen – na, wegen der Rache! Da wird er von Don Juan und Don Carlos gleichzeitig erschossen. Später kommt dann der im 1. Akt getötete Komtur zum Abendessen und holt Don Juan zur Höllenfahrt ab.



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Der Sturm

von Gernot Plass
3D / 5H / Simultanbühne
frei zur ÖEA

frei nach William Shakespeare

Prospero, vormals Herzog von Mailand, wurde mit seiner kleinen Tochter Miranda in einem Boot ausgesetzt, weil Bruder Antonio selber Herzog sein wollte. Sie können sich auf eine kleine Insel retten. Dort wird Prospero zum Zaubermeister und macht sich die Insel mit allerlei magischen Wesen untertan. Jahre später segelt Antonio und seine Begleitung mit einer kleinen Karavelle an der Insel vorbei. Prospero nutzt die Gelegenheit und schickt seinen Luftgeist Ariel los, ihnen einen gewaltigen Sturm zu bereiten, der das Schiffchen kentern lässt. Doch alle können sich ans Ufer retten und erleben nun seltsame Vorkommnisse. Gut, dass auch Ferdinand, ein echter Königssohn, mit an Bord ist. Der irrt zuerst auf der Insel umher, bis er schließlich der schönen Miranda begegnet, in die er sich verliebt. Miranda, verständlicherweise von Männern nicht gerade verwöhnt auf einer einsamen Insel, verliebt sich auch in ihn. Doch auf der Insel von Gernot Plass gibt es kein Happy End …


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Verbrechen und Strafe!!

von Gernot Plass
3D / 5H / Simultanbühne
frei zur ÖEA

Eine Fassung für Chor und Protagonisten frei nach Fjodor M. Dostojewski

Der Student Raskolnikov ist faul geworden, er studiert nicht, er arbeitet nicht. Bleibt die Miete schuldig. Bei der Hehlerin Aljona versetzt er seine letzten Besitztümer. Die hat Geld! Sie sei kein guter Mensch, hört er. Da fasst Raskolnikov den Entschluss – er nimmt ein Beil und erschlägt Aljona, raubt ihr Geld und als ihre Schwester überraschend dazukommt, spaltet er auch ihr den Schädel.

In einem atemberaubendem Tempo schickt Gernot Plass den Mörder Raskolnikov nun durch die nächsten Tage. Hin und her gerissen zwischen Euphorie und Schuldgefühl glaubt er, vor Verfolgung sicher zu sein. Doch Richter Porfirji wird ihn zur Strecke bringen.


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Ich, Galileo

von Gernot Plass
1H / Simultanbühne
frei zur DEA
80 Min

© TAG, Wien, 2021

Unsere Gegenwart ist geprägt vom erbitterten Kampf um Welterzählungen – ob auf den Feldern der Geschichte, der Klimaforschung, der Geopolitik oder der Evolution. Oftmals sind diese Erzählungen und Positionen obskur und sehr leicht durch vernünftige Argumentation zu entkräften. In manchen anderen Fällen eröffnen sie aus den gleichen theoretischen Überlegungen eine verbotene, weil von der Meinung der Herrschenden abweichende Ideologiekritik. Die Positionen sind mitunter militant. Man sondert sich in die eigenen Echoräume ab und lässt Anderslautendes nicht mehr zu.
Ausgehend von der Debatte um den „Fall“ Galileo Galilei beleuchtet Gernot Plass in diesem Theaterabend die Frage, wie es Menschen ergeht, die in ihrer abweichenden Kritik an einer vorherrschenden Welt-Anschauung auf eine Wand der Ablehnung stoßen, und setzt sich mit dem Begriff der Wahrheitsfindung auseinander. Wissenschaftliche Debatte, Minderheiten-Positionen, Fairness und Demokratie werden entlang einer historischen Analogie verhandelt. (TAG)


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TILL

von Michaela Obertscheider
1D / 2H / Simultanbühne
frei zur DEA

Ein komödiantisches Erzähltheater

In einem poetisch schönen Text wird hier in Szene gesetzt, wie Till Eulenspiegel zum sympathischen Schelm wird. In dynamischen Abläufen begleiten wir unseren Helden von Babybeinen an bis zum Erwachsenenalter. TILL ist kein moralisches Lehrstück, sondern ein aufgewecktes Märchen mit viel Humor und Spaß für die ganze Familie.


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Toilette der Firma, Die

(Les toilettes de l’entreprise) von Tristan Choisel
Aus dem Französischen von Parinas Rouzbahani und Wolfgang Barth
15 SchauspielerInnen / Simultanbühne
frei zur dtspr. EA

Dieses intelligente und moderne Stück vertieft sich mittels paranormalem Phänomen in die möglichen Krisen der Arbeitswelt. Eine herrliche, köstlich erzählte Geschichte, mit hintergründigem Humor und Spannung bis zum Schluss.
Jérémie und Michel arbeiten in einer großen französischen Fabrik. Als sie nach der Pause an ihren Arbeitsplatz zurückkehren wollen, muss Jérémie noch mal auf die Toilette. Michel wartet draußen auf ihn, doch Jérémie kommt nicht wieder raus, er ist auf der Toilette verschwunden. Die ganze Firma sucht nach Jérémie, dann wird die Polizei verständigt. Man glaubt Michel nicht, dass Jérémie auf der Toilette verschwunden ist. Es wird ein Komplott der beiden Männer oder eine Bedrohung von außen, also den Konkurrenten der Firma, vermutet.
Michel landet in Untersuchungshaft.
Dann verschwindet Pascaline, eine weitere Arbeiterin aus der Produktion, ebenfalls spurlos auf der Toilette.
Ab da gehen nur noch sehr wenig Angestellte auf diese Toilette, sie benutzen lieber die Grünflächen oder trinken einfach nichts mehr. Die tollsten Geschichten sind im Umlauf, von Außerirdischen und dass sich Jérémie und Pascaline einfach so in Luft aufgelöst hätten.
Die Geschäftsleitung will keine Baustellenklos aufstellen und die Angestellten auch nicht auf die Toilette der Geschäftsleitung gehen lassen. Denn das würde ja bedeuten, dass sie an die Geschichte, die Michel erzählt, glauben würde. Sie installieren lediglich eine Kamera vor den Toilettentüren.
Fünf Tage später verschwinden während der Pause Julia und Kevin. Man sieht sich die Aufnahmen der Kamera an – beide gehen auf die Toilette, keiner kommt wieder heraus.

Die Toilette wird geschlossen und Michel aus der U-Haft entlassen. Baustellenklos werden aufgestellt. Aber die Angestellten wollen erst die Baustellenklos benutzen, wenn nach einem halben Jahr niemand aus der Firmenleitung darin verschwunden ist. Die Angestellten benutzen nach wie vor die Grünflächen.
Die Firma ist um ihren Ruf und um ihre Produktivität besorgt. Experten für paranormale Phänomene werden geholt. Die stellen auf der Toilette eine Präsenz fest, und zwar die Präsenz der Firma. Die Firma befindet sich also in der Toilette der Firma. Man kann mit ihr sprechen, aber sie will nur mit der Geschäftsleitung sprechen.
Man macht der Firma auf der Toilette klar, dass sie auch bald verschwunden sein wird, wenn sie alle Arbeiter der Firma so nach und nach verschwinden lässt. Das gibt ihr zu denken. Man einigt sich schließlich darauf, dass nur ein Arbeiter pro Jahr verschwinden darf. Aber nur aus der Produktion, also kein leitender Angestellter …


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Frank Freiman muss sich entscheiden

(Ce qui arrive à Francis L’homme) von Tristan Choisel
Aus dem Französischen ins Deutsche von Wolfgang Barth
7D / 5H / / Sim
frei zur UA

Frank Freiman, er ist psychiatrischer Gerichtsgutachter, denkt zu viel nach. Daher kann er sich eines Tages für gar nichts mehr entscheiden, auch nicht, ob er aufstehen soll oder nicht. Also ab mit ihm zum Psychodoktor. Aber auch in der Klinik „weiß Frank nicht ob er geheilt werden will oder nicht. Alle wollen eindeutig, dass er geheilt wird. Aber warum, fragt er sich, war mein früheres Leben in ihren Augen besser? Ist es vielleicht besser, jemanden zu behandeln als behandelt zu werden? Ist es besser, mit seiner Frau zu Hause zu leben als weit weg von ihr in einer Gemeinschaft? Oder wäre es im Gegenteil besser, hier Patient unter Patienten zu sein? Ganz zu schweigen davon, dass die Ärzte und das Pflegepersonal dank der Tatsache, dass er in der Klinik ist, einer Arbeit nachgehen, die ihnen Spaß macht. Vielleicht zählt das viel mehr als die unangenehmen Aspekte seiner eigenen Lage. Darüber denkt er nach.“
Da Frank keine Entscheidungen mehr treffen kann, machen das andere für ihn. Er tut, was man ihm sagt.
Er soll eine Zeitlang wieder zuhause, bei seiner Frau, in gewohnter Umgebung verbringen. In einem Buch liest er: „Bleib nicht bei dieser Frau.“ Also geht er.
Bei Dorine findet er ein neues Zuhause, bis er schließlich auch sie verlässt. Er begegnet einem skrupellosen Politiker, der hat Probleme mit einer Parteikollegin. Der Politiker erkennt in Franks Phobie eine Möglichkeit, diese Frau loszuwerden …

Ein perfekt konstruiertes und raffiniert gemachtes Theaterstück, das die Möglichkeiten einer zwanghaften Störung spannend und glaubwürdig überzeichnet.


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gelbe Tapete, Die

von Toni Richter
2D / 1H / 1DEK
frei zur UA

Ein Drama in drei Akten

Ein altes Haus im Kolonialstil.
Ein angesehener Arzt zieht mit seiner Frau für drei Monate aufs Land. Die Frau braucht viel Ruhe, denn ihr ist „nicht wohl.“ Um die Chancen auf eine Genesung ihres mentalen Zustandes zu erhöhen, wird sie von allem abgeschottet. Bis auf die Haushälterin Jenny und Mary, die auf das Baby aufpasst, hat sie nur ihren fürsorglichen Mann um sich. In einem großen Zimmer bleibt sie, zur Untätigkeit verurteilt, sich selbst überlassen. Und mit jedem Tag, der vergeht, wird diese merkwürdige gelbe Tapete mehr zu ihrer Obsession.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts galt die sogenannte rest cure, die „Ruhekur“, als medizinischer Durchbruch zur Behandlung psychischer Krankheiten bei Frauen. Nach Ansicht der gelehrten Männer einer patriarchischen Gesellschaft mussten Hysterie oder Depression mit absoluter Ruhe, viel Schlaf und der unbedingten Vermeidung aller Aufregung und Anstrengung behandelt werden. Dies bedeutete für die Frauen nicht nur die schleichende Entmündigung und das Entfremden vom täglichen Leben, sondern auch das Verbot, sich künstlerisch zu betätigen. Sie durften keinerlei Stimulation erfahren. Was diese Behandlung mit der Psyche der Betroffenen anrichtete, bleibt heute wie damals unbegreiflich Eine Frau hat trotz allem Mut gefunden, zu schreiben. Die Adaption der autobiografisch angelegten Erzählung von Charlotte Perkins Gilman für das Theater soll vor allem die gesellschaftlichen Verhältnisse jener Zeit beleuchten und Denkanstöße für Fragen der Gegenwart aufwerfen.


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Nabel der Welt, Der

von Fink Kleidheu
1D
frei zur ÖEA

Ein Monolog antiker Natur

Griechenland im Sommer. Sengende Hitze. Verheerende Brände. Das Land steht in Flammen. Auch Delphi, das sie einst den „Nabel der Welt“ nannten, bleibt nicht verschont.
Die schon seit Ewigkeiten nur noch im Verborgenen weissagende Pythia kommt gerade noch mit dem Leben davon. Sie wird als Klimaflüchtling nach Rotterdam gebracht und landet schließlich mit einem LKW in Deutschland.
Schutz findet sie im Theater. Hier trifft sie auf ein Publikum und beginnt zu sprechen. Ihre Suada bietet ungeahnte Einblicke in Jahrtausende des Orakelwesens, enthüllt bislang geheim gehaltene Besuche von Prominenz und dokumentiert nicht zuletzt ihren Behauptungswillen als Frau in einer Männerwelt. Trotz ihres mehr als biblischen Alters zeigt sie sich dabei auf der Höhe des Diskurses, reflektiert über die beunruhigende Lage von Mutter Gaia und wirft, wie sollte es bei ihrem Berufsstand anders sein, auch den Blick nach vorn. Zumindest sie, so scheint es, hat einen Plan.

Fink Kleidheu verleiht in seinem Schauspiel ohne Punkt und Komma der mythischen Pythia eine heutige Stimme. Es entsteht ein tragikomischer und von Gesängen begleiteter Abriss der sogenannten Zivilisation. Erzählt aus Sicht einer Frau, die alles (vorher-)gesehen hat.


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Ölsardinenprinzessin

von Martin Ohrt
1D / 2H / / 1Mädchen / Sim
frei zur UA
ca. 50 Min

Kinderstück ab 6 Jahren

Olivia hat genug von Ölsardinen. Schon zum Frühstück kommen sie auf den Tisch. Ihre Eltern besitzen nämlich eine Ölsardinenfabrik, die Olivias Urururgroßvater gegründet hat. Und eines Tages, wenn sie groß ist, soll sie diese übernehmen.
Eines Morgens spuckt Olivia die Ölsardinenstücke in ihrem Mund vor lauter Ekel in die Toilette. Da taucht Carlo, ein Pinguin, plötzlich auf, bedankt sich dafür, weil er schon tagelang nichts mehr zu fressen finden konnte. So beginnt eine Freundschaft zwischen den beiden. Doch Olivias Eltern wollen keine Haustiere, deshalb dürfen sie von Carlo nichts wissen.
Gemeinsam mit Carlo taucht Olivia durch die Toilette ins Meer. Sie ist erschrocken, wie wenig Fische und wie viel Plastikmüll es hier gibt. Und beinahe wird Carlo von einem großen Fischernetz gefangen.
Olivia stellt ihre Eltern zur Rede, will sie von der Fischerei abbringen. Als Carlo plötzlich vor ihnen steht, sind sie verärgert. Es kommt zum Streit, der in eine Dosenschlacht mündet. Nach einer Aussprache beruhigt sich die Lage, und Olivia muss schweren Herzens von Carlo Abschied nehmen, denn ein Pinguin gehört doch nicht ins Haus, und ein kleines Mädchen nicht ins Eismeer.
Ein versöhnliches Ende ist in Sicht, als der Vater beschließt, keine Sardinen mehr in Konserven zu packen, man kann ja stattdessen mal mit Gemüse versuchen, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.


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Liebeschaos selbstgemacht!

von Maximilian Theiss
4D / 2H / 1DEK
ca. 110 Min

Eine Komödie in zwei Akten

Spätabends in einer Psychologen-Praxis. Die Paarberaterin und Psychologin Doktor Laura Sommer möchte nur noch eines: nach Hause, und das, so schnell wie möglich. Ein letzter Termin noch, dann neigt sich auch dieser Marathon-Tag seinem Ende zu. Doch wie heißt es: unverhofft kommt oft! Gerade dieser letzte Termin des Tages sorgt für einige Turbulenzen, mit denen selbst die Karriere-Psychologin alle Hände voll zu tun bekommt.
Ein seitensprunggeplagtes Ehepaar, eine krisengeschüttelte Dauerklientin, Lauras klammernder Lebensgefährte und ihre beste Freundin stellen sich auf ein Tête-à-Tête in der Praxis ein und strapazieren Lauras müde Nerven bis auf das Äußerste. Eine klemmende Toilettentüre und eine misslungene hawaiianische Partnermassage machen die Katastrophe perfekt und das Ende eines Arbeitstages zum Desaster.
Ein Lügengeflecht, gespeist von Eifersucht, Enttäuschung, Hoffnung, nicht erfüllter Liebe, Selbstschutz und Wut beginnt sich durch die Räumlichkeiten der Praxis zu spannen und stellt die illustre Runde auf den Prüfstand ihrer emotionalen Eitelkeiten.


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Wurlitzergassen 22 zwozl-zwozl

von Felix Mitterer
1D / / variabel
ca. 90 Min

Stück für eine ältere Dame und einen Papagei

Mirl und Gogol, jahrzehntelang sind sie unzertrennlich. Bis Gogol eines Tages tot in der Ecke liegt. Die „schwarze Oma“ hatte dem Papagei beigebracht, seine Wohnadresse vor sich hin zu plappern: Wurlitzergassen zwozl-zwozl.
Mirl und Gogol haben nicht nur schöne Tage gesehen – die schwere Kindheit, Krieg, familiärer Zerfall, Not. Das Ende ihres Lebens verbringt Mirl in einem Heim, und um mit ihrer Einsamkeit und ihren Erinnerungen fertig zu werden, lässt sie Gogol wieder aufleben. Wie früher sitzt er auf ihrer Schulter, er rückt ihre Reminiszenzen zurecht, denn die bringt Mirl manchmal etwas durcheinander. Sie lassen ihr Leben Revue passieren, singen alte Lieder. Dann macht sich Mirl auf ihren letzten Weg, sie will nochmal in die Wurlitzergassen 22 ….

Taktvoll beschreibt Felix Mitterer die letzten Tage einer alten Frau. Mit jedem Kapitel fängt er die besondere Atmosphäre schwieriger Zeiten ein, reflektiert über ein verflochtenes Leben, vom Beginn des vorigen Jahrhunderts bis heute.


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Hier liegt der Hund begraben

von Magdalena Marszalkowska
und Bearbeitung aus dem Polnischen Liliana Niesielska
2 H / 1 Dek
Frei zur dtspr. EA

Komödie

Ein junger Geschäftsmann entdeckt eines Nachmittags, dass sich ein Obdachloser in seinem Schrebergarten häuslich niedergelassen hat. Der geheimnisvolle Fremde weigert sich, das Grundstück zu verlassen und behauptet, der rechtmäßige Eigentümer zu sein.
Die ruhige Art, in der der Obdachlose seine Argumente vorbringt, führt keineswegs zu einer friedlichen Lösung der Situation, sondern ganz im Gegenteil, sie steigert noch die Wut des Geschäftsmannes. Es kommt zu einem „Besitzkampf“, der zu zahlreichen skurrilen Situationen führt.
Das Stück ist eine satirische Alltagskomödie, in der die von der Gesellschaft künstlich geschaffene zwischenmenschliche und soziale Schubladisierung thematisiert wird.
Mit heiterer Leichtigkeit werden folgende Fragen erörtert: Ist ein Fremder zwangsläufig fremd oder lediglich unbekannt? Oder ist das uns allen gemeinsame Bedürfnis nach Freiheit, Liebe, Nähe und Verständnis das Einzige, was uns am Ende des Tages ausmacht?


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Nicht bei Tisch

von Magdalena Marszalkowska
aus dem Polnischen von Danuta Strobl
3 D / 3 H / 1 Dek
Frei zur dtspr. EA

Komödie

Adam richtet mit seiner Frau Ewa das diesjährige Weihnachtsfest für die Familie aus. Eine gewisse Anspannung liegt in der Luft, das Kleinkind plärrt, und Adam möchte eigentlich viel lieber ein Spiel auf seinem Handy spielen.
Eingeladen sind Adams Bruder Adrian, die gemeinsame Schwester Anka und die Mutter der Geschwister.
Adrian, das sogenannte Sandwichkind, fühlt sich von der Familie ignoriert. Seit Jahren versucht er am Heiligen Abend der Familie sein „Geheimnis“ zu offenbaren. Diesmal nimmt er (s)einen Freund Wolfgang zum Weihnachtsessen mit, leider ein Deutscher.
Anka, die Schwester von Adam und Adrian, arbeitet in einem internationalen Konzern in einer hohen Position. Sie verdient mehr als der Durchschnitt, wohnt nicht in Polen, hat weder Kinder noch Ehemann und laut ihrer Mutter hat sie ihr Leben vergeudet.
Die Mutter, eine Witwe und Pensionistin, kann den Tod ihres Mannes nicht verkraften; sie trägt immer eine seltsame „Vase“ in einem Plastiksack mit sich.
So kann denn das skurrile Weihnachtsfest beginnen: Traditionen müssen eingehalten werden, Geheimnisse wollen an die Oberfläche, Vaters Urne braucht auch ihren Platz, und da wäre noch die Oma im Altersheim, die vergessen wurde.
Kann das alles gutgehen? Auf jeden Fall müssen Besinnlichkeit und Frieden nach diesem Abend neu definiert werden …


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Zerfall

von Veronica Buchecker
1 D / 1 H / 1 Dek
Frei zur DEA

Maggie und Jack führen eine glückliche Ehe im Amerika der Fünfzigerjahre. Als Maggie ihren Ehemann zum fünften Hochzeitstag mit einem besonderen Geschenk überraschen will, überredet sie ihre Freundin Grace, Jacks Sachen im verbotenen Keller zu durchsuchen. Dort kommt sie einem dunklen Geheimnis auf die Spur, das ihre Ehe schwer belastet.
Im Leben fast jedes Menschen gibt es Abschnitte, die besser im Verborgenen bleiben. Aber was Maggie da ans Tageslicht bringt, grenzt ans Unvorstellbare. Treibt Jack ein falsches Spiel? Und hat Maggie die Kraft, damit fertig zu werden?

Uraufführung am 20.9.2016 im Theater-Center-Forum, Wien


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Rosakäppchen und der liebe Rolf

von Katharina Schraml
3 Personen / 1 Dek
Frei zur UA
für alle ab 6

Kinderstück

„Das wird toll.“ Die Regisseurin von „Rotkäppchen“ glaubt wahrscheinlich an Autosuggestion, denn das, was sich auf ihrer Probe abspielt, ist weit davon entfernt: katastrophal schlechte Darsteller, keine Requisiten, kein Budget und allgemein chaotische Zustände.
Rotkäppchen und der Wolf turteln erst, um sich wenig später so richtig in die Haare zu kriegen. Der Bühnen- und Kostümbildner ist groß in Versprechungen, aber wenn man ihn braucht, schläft er oder ist unauffindbar. Deko und Kostüme bleiben Wunschträume.
Am Tag der Premiere weigert sich der Wolf-Darsteller Rolf mit Rotkäppchen namens Rosa zu spielen, da sie ihn als schlechten Schauspieler beschimpfte. Dementsprechend tüchtig muss bei der Aufführung improvisiert werden. Die Regisseurin ist im Dauereinsatz. Aber was soll’s, der Lappen muss hochgehen. Und so bekommen die Kinder eine sehr verhaltensoriginelle Aufführung geboten. Na dann: „Toi Toi Toi.“


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Alle deine Geburtstage

von Miro Gavran (Kroatien)
Aus dem Kroatischen von Tihomir Glowatzky
14 D / 13 H / 2 Stat / Mehrfachbesetzungen möglich
Frei zur dtspr. EA

Irgendwie haben es die Geburtstage von Marian in sich: Seit seinem zehnten Lebensjahr gerät jede Dekade verlässlich zur absoluten Katastrophe.
1957: Marians Freund zertrümmert mit einem Fußball das neue Statussymbol der Familie, einen sündhaft teuren Fernseher.
1967: Die Mutter entdeckt, dass ihre beste Freundin ein Verhältnis mit ihrem Mann hat.
1977: Der geliebte Großvater stirbt.
1987: Der Vater wird unehrenhaft seines Direktorpostens enthoben.
1997: Marian ist inzwischen Witwer und versucht seinen 50. Geburtstag alleine zu überstehen.
2007: Die Rest-Familie will ihn überraschen und überrascht ihn mit seiner jungen Geliebten.
2017: Die Katastrophe schwebt wieder einmal scheinbar unüberwindbar über ihm.
Kann es ein kleines Happy-End geben?
Dramatisch und komisch zugleich bewegt sich diese Familiensaga durch die Jahrzehnte und zeigt dabei sinnlich und gefühlvoll ein Einzelschicksal, das stellvertretend für viele stehen könnte.
Ganz nebenbei handelt dieser Mikrokosmos politische Themen ab, die auch europäische Geschichte sind.


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ACAB

von Simon Jaritz-Rudle
1D / 6H / 1DEK / / Mehrfachbesetz.
Frei zur UA

Jugendstück

Der arabischstämmige Schüler Fadi hat gleich mehrere Probleme: eine große Klappe, einen Freund, der in dasselbe Mädchen verliebt ist und einen Kumpel, der nach Afghanistan abgeschoben werden soll. Zwischendurch immer wieder mal Ärger mit den Cops und den Fahrkartenkontrolleuren.
Ziemlich schwierig das alles unter einen Hut zu kriegen, wenn man jung ist, überbordende Ideen und Gefühle hat. Also erst mal ein paar Panikreaktionen: Bald nach dem ersten Kuss verlässt Fadi seine Kurzzeit-Freundin Isa wieder, weil er es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, dass Kobane auch in sie verliebt ist.
Kumpel Majid soll durch einen Überfall auf ein Wettbüro und eine Großdemo gerettet werden. Noch besser: ein verwirrendes Labyrinth vor das Schubhaftgefängnis bauen, damit die Beamten sich verlaufen. Oder einfach mal den Flugverkehr zwischen Europa und Afghanistan zum Erlahmen bringen.
Man kann auch an die Solidarität appellieren, denn in Europa soll sie ja ein wichtiger Grundpfeiler der Gesellschaft sein. LOL. Nach elf Likes im Internet ist man dann doch wieder ernüchtert.
Am Ende wird es ein großes Fest sein, zu dem alle kommen, um Majid vor der Abschiebung zu bewahren. Und Isa ist wieder Fadis Freundin. Vielleicht hat er sich das große Fest aber auch nur eingebildet, denn Majid ist nicht dabei.
Schnelle scharfzüngige Sprache, hohes Tempo, witzig und brandaktuell.


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Tür Nummer 13

von Nikola Jaritz-Rudle
2D / 2H / / 1 Nebenrolle optional
Frei zur UA

Komödie

Marie und Martin haben eine völlig heruntergekommene Wohnung von einer verstorbenen, unbekannten Tante geerbt. Diese wollen sie nun so schnell wie möglich wieder verkaufen. Und das aus sehr gutem Grund: überall Schimmel, veraltetes und kaputtes Inventar, Ratten und nervige Nachbarn in provinziellem Umfeld.
Claire und Ben interessieren sich als mögliche Käufer für die skurrile Immobilie. Marie und Martin täuschen vor, immer schon dort gewohnt zu haben und erfinden neue Identitäten, um die Chancen für den Verkauf zu erhöhen. Das kann in einer sich selbst zersetzenden Wohnung nur schiefgehen.
Den beiden Paaren kommen zu allem Überfluss auch noch ein paar erotische Irritationen in den Weg.
Die Wohnung scheint aber auch noch ein Geheimnis zu bergen: den versteckten Schatz aus einem nie aufgeklärten Raubüberfall. Das würde so einiges an dem sonderbaren Verhalten aller Beteiligten erklären. Wer wird die Wohnung bekommen?


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NN 12

von Gracia Morales
Aus dem Spanischen von Wolfgang Barth und Markus Steinhoff
2D / 2H / 1DEK
Frei zur UA

Eine Gerichtsmedizinerin leitet die Untersuchung, bei der von NN 12, der nicht identifizierten Toten, die wahre Identität gefunden werden soll. Der Sohn der Toten, Esteban, kann nun endlich erfahren, wer seine Mutter und sein Vater waren und was geschah. Ein älterer Mann, dessen Bedeutung für NNs Schicksal nach und nach klar wird, ist weiterhin der Überzeugung, dass das Geschehene notwendig war.
Wenn das Opfer NN 12 am Ende bei verlöschendem Licht, nun mit ihrem richtigen Namen und dankbar für die Ergebnisse der Ermittlungen, wieder ins Dunkel des Todes versinken kann, bleiben Täter und Sohn übrig. Die Gerichtsmedizinerin aber öffnet eine weitere Kiste, um die Identität eines weiteren Opfers herauszufinden.
Diese Geschichte könnte in jedem Land nach einem Kriegszustand oder unter den Bedingungen einer Diktatur stattfinden, in dem es „Verschwundene“ gibt. Dass aber erst vor wenigen Jahren in Spanien damit begonnen wurde, Massengräber aus der Franco-Diktatur zu öffnen, in denen noch mehr als 100.000 nicht identifizierte Opfer ruhen, legt den Bezug zu dieser Epoche der jüngeren europäischen Geschichte nahe.
Ein eindringliches, schonungsloses und politisch brisantes Werk.

Erster Preis der SGAE 2008
Auswahl für das Projekt “Internacionalización de autores teatrales españoles en Brasil” durch Acción Cultural Española, Übersetzung ins Portugiesische und Aufführung in Brasilien
Übersetzung ins Französische 2017 durch Alice Bonnefoi
Auswahl 2019 EURODRAM


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70 Stoffe

von Martin Kroissenbrunner
1D / 2H / 1DEK
Frei zur UA

Luis ist nicht mehr zu stoppen. Er hat sich vorgenommen, seinen Arbeitskollegen und Freund zu missionieren: Er soll sich endlich und endgültig das Rauchen abgewöhnen.
Doch so leicht kann es ihm Kappa nicht machen. Und so entspinnt sich ein hochemotionales, fast philosophisches Streitgespräch, ein Ringen um Freundschaft, Akzeptanz und Freiheit.
Wer glaubt, das sei es gewesen, dem wird spätestens beim Erscheinen von Luis‘ Freundin Nina klar, dass es um sehr viel mehr geht als um das Rauchen …


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Sarajevo – Die Toten tanzen noch

von Konstantin Moreth
37 Rollen spielbar mit 5 DarstellerInnen

Musikalisches Theaterstück

Ein skurril düsterer Reigen. Ein Tanz auf dem Vulkan. Ein Requiem. Eine Ode an das Leben.
Die Belagerung von Sarajevo bildet den Hintergrund einer morbiden, gleichwohl lebenshungrigen Erzählung. Da wo der Tod am nächsten ist, brennt das Leben am hellsten.
Adem arbeitet in einer Kneipe in Sarajevo. Nacht für Nacht. Adem schläft nicht mehr.
Seit er im Krieg seine große Liebe gefunden und wieder verloren hat, lebt ohne Ziel vor sich hin, umgeben von den immer gleichen Gästen, heimgesucht von den Dämonen seiner Vergangenheit, des Krieges und der Liebe. Abend für Abend erwachen die Geschichten, werden Lieder gesungen, und die Toten sind allgegenwärtig …
Und dann ist da noch dieser Cellist. Vedran Smailovic. 27. Mai 1992. Eine Mörserattacke der Serben auf einen Platz, der 22 Menschen zum Opfer fallen, weil sie um Brot anstanden. Nach diesem Angriff nahm Smailovic sein Cello und spielte 22 Tage lang mitten auf verschiedenen Plätzen der Stadt, im Fadenkreuz der Scharfschützen für die Opfer und überlebte es. Dies ist ein universelles Bild für Menschlichkeit angesichts einer menschenverachtenden Situation, wie sie die Belagerung von Sarajevo darstellt.

Die Berichte vom Balkan waren nachhaltig erschütternd. Die „Firnis der Zivilisation“ ist nach wie vor dünn, das zeigt uns dieser Krieg noch immer auf unbarmherzige Art und Weise. Wenn wir nun sehen, wie in vielen Ländern Europas – das zumindest uns und unseren unmittelbaren Nachbarn eine lange Phase Frieden, Demokratie und Wohlstand gebracht hat – wieder die fnsteren Geister des Nationalismus und Rassismus in Massen Anhänger fnden, wirkt der Balkankrieg als ein Fanal, als eine eindringliche Warnung.


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Rocky! – Die Rückkehr des Verlierers

von Tue Biering
Aus dem Dänischen: Hans-Peter Kellner
1D / 1DEK
Frei zur DEA

Ein gut gekleideter Mann beginnt uns die Geschichte von Rocky zu erzählen. Wir summen mit ihm die Titelmelodie und erinnern uns gemeinsam an diese Story. Denn wir lieben sie. Gute Unterhaltung. Mit der Zeit hören wir ein paar Episoden, die wir so vielleicht nicht mehr im Gedächtnis haben. Gab es diese Szene wirklich im Film? Rocky zeigt Seiten, die uns nach und nach unruhig machen.
Was, wenn alle Rockys sich erheben und auf den Künstler losgehen, auf das Publikum und wenn deren Werte, deren Existenz besiegt werden soll? Wenn wir es sind, die als geschlachtetes Schwein, das am Haken hängt und auf das die Rockys einschlagen, enden. Rocky ist nicht eine einzelne Person, sondern repräsentiert ein Spektrum der politisch Rechten, die nicht mit einer simplen Analyse eingeordnet werden können.


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