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Kaiserverlag

Nabel der Welt, Der

(where the eagles meet)
Profitheater Aktuell Neu Dramatik, Zeitstücke Monologe
Besetzung: 1D
Rechte:
frei zur ÖEA
Typ:
Ein Monolog antiker Natur

Griechenland im Sommer. Sengende Hitze. Verheerende Brände. Das Land steht in Flammen. Auch Delphi, das sie einst den „Nabel der Welt“ nannten, bleibt nicht verschont.
Die schon seit Ewigkeiten nur noch im Verborgenen weissagende Pythia kommt gerade noch mit dem Leben davon. Sie wird als Klimaflüchtling nach Rotterdam gebracht und landet schließlich mit einem LKW in Deutschland.
Schutz findet sie im Theater. Hier trifft sie auf ein Publikum und beginnt zu sprechen. Ihre Suada bietet ungeahnte Einblicke in Jahrtausende des Orakelwesens, enthüllt bislang geheim gehaltene Besuche von Prominenz und dokumentiert nicht zuletzt ihren Behauptungswillen als Frau in einer Männerwelt. Trotz ihres mehr als biblischen Alters zeigt sie sich dabei auf der Höhe des Diskurses, reflektiert über die beunruhigende Lage von Mutter Gaia und wirft, wie sollte es bei ihrem Berufsstand anders sein, auch den Blick nach vorn. Zumindest sie, so scheint es, hat einen Plan.

Fink Kleidheu verleiht in seinem Schauspiel ohne Punkt und Komma der mythischen Pythia eine heutige Stimme. Es entsteht ein tragikomischer und von Gesängen begleiteter Abriss der sogenannten Zivilisation. Erzählt aus Sicht einer Frau, die alles (vorher-)gesehen hat.


Leseprobe

In Europa
Also
Wo ich hergekommen
Und doch
Beileibe nicht
In der Heimat
Verberg‘ ich mich
Wie ich’s in meiner Höhle schon geübt
Und wag‘ nur sehr selten
Mich heraus
Wie heut
Da Ihr ins Theater gingt
Einen Ausweis habe ich nie besessen
Was mein Dasein nun erschwert
Doch muss ich nicht
Rechtfertigen
Dass ich
Mensch
Bin
Hier
Ich war schon immer
Grenzgängerin
Ich werde auch nicht
Aus der Not heraus
Mich abgeben
Mit Banalitäten
Es tut mir leid
Ich werd‘ Euch
Eure Zukunft
Nicht erzählen
Sich an unterschiedliche Menschen wendend.
Werd‘ Dir nicht sagen
Wann’s mit Dir zu Ende geht
Wer wird Dein nächster Präsident
Deine Päpstin
Oder Muezzine
Wer Dein Meerschwein schwängert
Wann Dein Hamster wirft
Dein Hund stirbt
Ob Du den Job bekommst
Dir wird gekündigt
Wer Dein Auto klaut
Ob Dein Enkel
Mädchen oder Junge
Ich werde Dir nicht sagen
Ob Du schon bald den Euro–Jackpot knackst
Du beim Grand Prix d‘Eurovison gewinnst
Oder Du trotz Doktortitel Europaletten stapelst
An welchen Gott es sich zu glauben lohnt
Und welche Aktie sich zu kaufen
Ich werde nicht verkünden
Ob‘s diesen Winter schneit
Oder nächsten Sommer regnet
Bei Deiner Hochzeit Katzen hagelt
Es interessiert mich nicht

Seit die Feuer mich verbannt
Red` ich überhaupt nicht mehr
Gerne übers Wetter