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Kaiserverlag

Anne auf Green Gables

Profitheater Aktuell Neu Kinder- & Jugendstücke
Besetzung: 8D / 5H / Simultanbühne
Bearbeitung:
Nach Lucy Maud Montgomery
UA Theater der Jugend, Wien, Dezember 2021 © Rita Newman

Anne wird als Neugeborenes von ihrer Mutter vor einem Nonnenkloster ausgesetzt. Die Nonnen nehmen sie gerne auf, sie sind gut zu ihr, sie hat nun viele Mamas.

Das Kloster brennt nieder. Die Nonnen müssen zurück in ihr Mutterhaus, Anne dürfen sie nach Weisung des Bischofs nicht mitnehmen. Die Achtjährige kommt in ein Waisenhaus, das von dem bösen Captain Crow geleitet wird. Die Kinder müssen arbeiten, leiden Hunger, frieren, dürfen nicht in die Schule gehen. Anfangs ist Anne noch störrisch. Doch dann fügt sie sich scheinbar und wird zu Crows Liebling, der ihr vertraut. Bis eines Tages er sich betrunken niederlegt. Anne fesselt ihn mit Handschellen an sein Bett und läuft fort. Das Mädchen läuft zwei Tage, bis sie Matthew trifft. Der nimmt sie mit auf Green Gables zu seiner Schwester Marilla. Die weigert sich zuerst, dem zerlumpten und schmutzigen Mädchen ein neues Zuhause zu geben, doch Anne hat so viel Charme und Liebenswürdigkeit, dass auch Marilla sie ins Herz schließt. Anne ist glücklich auf Green Gables.

Eines Tages kommt die neugierige Mrs. Lynde zu Besuch, sie spricht abfällig über Anne. Und auch Anne, nicht auf den Mund gefallen, beleidigt Mrs. Lynde. Marilla bittet Anne später, sich bei Mrs. Lynde zu entschuldigen. Das verursacht bei Anne eine Krise. Schließlich, nach drei Tagen der Grübelei, läuft Anne zu Mrs. Lyndes Haus und sprudelt eine unbeholfene Entschuldigung hervor. Als Mrs. Lynde sich umdreht, ist es gar nicht Mrs. Lynde, sondern deren Tochter Diana. Diana sieht ihrer Mutter zum Verwechseln ähnlich, die Mutter will das so, um jung gehalten zu werden. Doch Diana hasst das. Anne und Diana beschließen Busenfreundinnen zu werden. Als Akt der Revolte schneidet Anne Diana die Locken ab, die sie hasst. Dafür wird ihr von Mrs. Lynde der Krieg erklärt …

Ein zu Herzen gehendes Kinderschicksal einer Außenseiterin. Das Mädchen schafft es mit viel Mut in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden und Liebe zu finden.

Die Uraufführungsproduktion am Theater der Jugend/Renaissancetheater, Wien im Dezember 2021 wurde in vier Kategorien für den Deutschen Musical Theater Preis 2022 nominiert:

„Bestes Musical“
„Bestes Buch“ für TDJ-Direktor Thomas Birkmeir
„Beste Regie“ für TDJ-Direktor Thomas Birkmeir
„Beste Choreographie“ für Kaj Louis Lucke

Der Preis für „Beste Regie“ ging an Thomas Birkmeir.

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Leseprobe

  1. Akt, 10. Szene
Matthew
Zügelt das Pferd, das plötzlich laut aufgewiehert hat Hoooo! Sieht in die Richtung des Laubhaufens Du brauchst doch vor einem Laubhaufen keine Angst haben, gute alte Emily. Na, komm! Wiehern Ruhig. – Ja, jetzt seh´ ich es auch, mein Schatz, da ist was. Rotes Fell, scheinbar. Ein toter Fuchs vielleicht?
Anne
Ich bin kein Fuchs! Und für die roten Haare kann ich nichts. Ich gäbe – weiß Gott – was dafür, wenn ich diese roten Haare – oh, jetzt habe ich mich wohl verraten? Sie vergräbt sich wieder im Laub. Von dort: Vergessen Sie mich einfach und fahren Sie weiter!
Matthew
Nun, ein kleines, rothaariges Mädchen im Laub lässt sich nicht so einfach vergessen. – Wo kommst du her?
Anne
Ich bin vom Himmel gefallen.
Matthew
Interessant – ein Engel ohne Flügel also. Sachen passier`n. Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass man im Himmel derartig dreckige Kleidung trägt. Ich dachte, da sei alles blitzblank. Auch so kann man sich täuschen.
Anne
Ich geb´s zu, das mit dem Himmel war gelogen. Aber auf meiner Herkunft lastet ein dunkles Geheimnis.
Matthew
So? Welches denn?
Anne
Das kann ich nicht sagen – sonst wär´s ja kein dunkles Geheimnis mehr.
Matthew
Das leuchtet mir ein.
Anne
Man nennt mich Anne – aber eigentlich heiße ich Cordelia. Das ist ein adeliger Name. Meine Abstammung hat was mit Königen und Prinzessinnen und so zu tun. Aber – ich darf nicht darüber reden.
Matthew
Verstehe, Anne also.
Anne
Oh, Sie machen es ja richtig!
Matthew
Was?
Anne
Sie sprechen Anne mit einem „e“ hinten aus. Das können nur sehr wenige. Man schreibt mich nämlich mit einem stummen „e“ hinten. Nicht einfach Ann, sondern Anne.
Matthew
Das hab´ ich mir doch gleich gedacht, dass du eine Anne mit einem „e“ hinten bist – das ist ja doch vornehmer.
Anne
Nicht wahr?