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Kaiserverlag

Toilette der Firma, Die

Profitheater Aktuell Neu Dramatik, Zeitstücke Komödie und Boulevard
Besetzung: 15 SchauspielerInnen / Simultanbühne
Originaltitel:
Les toilettes de l’entreprise
Übersetzung:
Aus dem Französischen von Parinas Rouzbahani und Wolfgang Barth
Rechte:
frei zur dtspr. EA

Dieses intelligente und moderne Stück vertieft sich mittels paranormalem Phänomen in die möglichen Krisen der Arbeitswelt. Eine herrliche, köstlich erzählte Geschichte, mit hintergründigem Humor und Spannung bis zum Schluss.
Jérémie und Michel arbeiten in einer großen französischen Fabrik. Als sie nach der Pause an ihren Arbeitsplatz zurückkehren wollen, muss Jérémie noch mal auf die Toilette. Michel wartet draußen auf ihn, doch Jérémie kommt nicht wieder raus, er ist auf der Toilette verschwunden. Die ganze Firma sucht nach Jérémie, dann wird die Polizei verständigt. Man glaubt Michel nicht, dass Jérémie auf der Toilette verschwunden ist. Es wird ein Komplott der beiden Männer oder eine Bedrohung von außen, also den Konkurrenten der Firma, vermutet.
Michel landet in Untersuchungshaft.
Dann verschwindet Pascaline, eine weitere Arbeiterin aus der Produktion, ebenfalls spurlos auf der Toilette.
Ab da gehen nur noch sehr wenig Angestellte auf diese Toilette, sie benutzen lieber die Grünflächen oder trinken einfach nichts mehr. Die tollsten Geschichten sind im Umlauf, von Außerirdischen und dass sich Jérémie und Pascaline einfach so in Luft aufgelöst hätten.
Die Geschäftsleitung will keine Baustellenklos aufstellen und die Angestellten auch nicht auf die Toilette der Geschäftsleitung gehen lassen. Denn das würde ja bedeuten, dass sie an die Geschichte, die Michel erzählt, glauben würde. Sie installieren lediglich eine Kamera vor den Toilettentüren.
Fünf Tage später verschwinden während der Pause Julia und Kevin. Man sieht sich die Aufnahmen der Kamera an – beide gehen auf die Toilette, keiner kommt wieder heraus.

Die Toilette wird geschlossen und Michel aus der U-Haft entlassen. Baustellenklos werden aufgestellt. Aber die Angestellten wollen erst die Baustellenklos benutzen, wenn nach einem halben Jahr niemand aus der Firmenleitung darin verschwunden ist. Die Angestellten benutzen nach wie vor die Grünflächen.
Die Firma ist um ihren Ruf und um ihre Produktivität besorgt. Experten für paranormale Phänomene werden geholt. Die stellen auf der Toilette eine Präsenz fest, und zwar die Präsenz der Firma. Die Firma befindet sich also in der Toilette der Firma. Man kann mit ihr sprechen, aber sie will nur mit der Geschäftsleitung sprechen.
Man macht der Firma auf der Toilette klar, dass sie auch bald verschwunden sein wird, wenn sie alle Arbeiter der Firma so nach und nach verschwinden lässt. Das gibt ihr zu denken. Man einigt sich schließlich darauf, dass nur ein Arbeiter pro Jahr verschwinden darf. Aber nur aus der Produktion, also kein leitender Angestellter …


Leseprobe

Als die Geschäftsleitung sich gerade wieder in die Leitungsetage begeben möchte, weil auch diese beiden Experten nicht erklärt haben, wie viel Zeit sie auf der Toilette verbringen wollen, kommen sie schon wieder heraus.

- Und?
- Da ist eine Präsenz.
- Ah!
- Eine Präsenz?
- Sie befindet sich zurzeit auf der Herrentoilette.
- Ach. Und was für eine Präsenz ist das, sagen Sie!
- Die Firma.
- Die Firma?
- Ja. Wir haben ein paar Worte gewechselt.
- Sie haben ein paar Worte mit der Firma gewechselt?
- Ja, genau.
- Die Firma befindet sich in der Toilette der Firma?
- Jedenfalls kann man dort mit ihr sprechen.
- Und was sagt sie?
- Sie sagt, dass sie auf uns scheißt.
- Dass sie auf uns scheißt?
- Auf uns!
- Auf Sie?
- Auf uns scheißt.
- Die Firma befindet sich in der Toilette der Firma, Sie sprechen sie an, sie antwortet, dass sie auf Sie scheißt?
- Sie haben es erfasst. Und wenn sie überhaupt mit jemandem spricht, dann nur mit der Geschäftsleitung, nicht mit uns.
- Die Firma will mit uns sprechen?
- Sie will nicht mit Ihnen sprechen: Sie sagt nur, dass Sie die einzigen sind, die sie als Gesprächspartner akzeptiert.
- Uns lehnt sie ab.
- Und was haben wir davon, wenn wir mit ihr sprechen?
- Dann können Sie mit ihr verhandeln.
- Lässt sie die Mitarbeiter verschwinden?
- Wahrscheinlich.
- Haben Sie sie nicht gefragt?
- Doch, aber sie spricht nicht mit uns.
- Warum sollte die Firma ihre Mitarbeiter verschwinden lassen?
- Wenn wir das wüssten.
- Vielleicht sagt sie es Ihnen.
- Wie zeigt sie sich?
- Ja, in welcher Form?
- Sie zeigt sich nicht, Sie werden sie weder sehen noch hören.
- Sie sprechen mit ihr und wir berichten Ihnen, was sie Ihnen erzählt.
- Aber stopp mal, vielleicht ist das eine Falle!
- Genau, um uns in die Toilette zu locken und uns dort ebenfalls verschwinden zu lassen!
- Ich gehe da nicht rein.
- Wenn ich reingehe, gehen Sie auch rein, Dominique.