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Kaiserverlag
Besetzung: 2 D / 1 H / 1 Dek
Übersetzung:
Aus dem Kroatischen von Tihomir Glowatzky
Rechte:
Frei zur dtspr. EA
Typ:
Komödie

Nach fünf Jahren heimliche Geliebte hat Nina die Schnauze voll von Boris.
Doch so einfach wie sie sich das vorgestellt hat, läuft das nicht mit der endgültigen Trennung. Denn Boris‘ Ehefrau Mia taucht bei ihr auf, um sie zu erpressen.
Pikantes Detail: Nina arbeitet als Eheberaterin, und es wäre ihrer Karriere wahrlich nicht zuträglich, wenn herauskäme, dass sie in ihrer Freizeit auch Geliebte ist.
Kurz und gut: Die Ehefrau fordert sie auf, den Ehemann wieder aufzunehmen. Seit er nur noch zuhause ist, fühlt sie sich in ihrem häuslichen Frieden gestört.
Nina wird also wieder die Geliebte von Boris und das ist ungefähr so spannend wie Sockenstopfen.
Als Nina sich in einen jungen Architekten verliebt, muss eine neue Lösung her. Die beiden Frauen schließen ihren letzten fulminanten Deal. Denn auch das Leben von Ehefrau Mia war nicht gänzlich unbewegt …


Leseprobe

MIA: Ach, da bist du also?
BORIS: Woher… Wo kommst du denn her?
MIA: Und du wie kommst du hierher?
BORIS: Ach so, ich bin mit meiner Geschäftskollegin in die Ausstellung, sie liebt die moderne Malerei, wir besprechen gerade den Kaufvertrag für ihre Firma und…
MIA: Schäm dich, du widerlicher Kerl! Ich war dir das ganze Leben lang treu, und du – mit diesem Flittchen!
NINA: Entschuldigen Sie, meine Dame, ich weiß weder, wer Sie sind, noch warum Sie mein Gespräch mit diesem Herren unterbrechen.
MIA: Schweig, du kleine Nutte, ich bin die Ehefrau dieses armseligen Würstchens hier und habe aus zuverlässigen Quellen erfahren, dass ihr mir schon seit fünf Jahren die Hörner aufsetzt. Am liebsten würde ich ihm mit einem stumpfen Messer die Kehle durchschneiden.
BORIS: Mia, ich bitte dich, Liebling, ich bitte dich, ich werde dir das alles erklären, ich wollte nicht, das ist gegen meinen Willen passiert, sie hat mich verführt, sie ist mir nachgelaufen, sie hat Krebs, sie hat gesagt, sie hätte Krebs, damals, als sie mich das erste Mal abgeschleppt hat, sie sagte mir, sie würde sterben und ihr letzter Wunsch sei, mit mir zu schlafen. Das konnte ich ihr nicht abschlagen, den letzten Wunsch kann man keinem verwehren, das wäre nicht human, nur deswegen habe ich nachgegeben. Zuvor habe ich ihr aber klipp und klar gesagt, dass ich sowohl dich als auch unsere Kinder liebe, und dass sich ihr diesen Gefallen nur tue, weil sie im Sterben lag, ja, so war das, auf ihr Drängen hin, gegen meinen Willen.
MIA: Und sie lag im Sterben, sagst du?
BORIS: Ja, hundert Prozent.
MIA: Diese eure erste Bumserei liegt nun schon fünfeinhalb Jahre zurück; wenn sie so todkrank gewesen wäre, dann wäre sie jetzt schon tot.
BORIS: Es gibt da eine neue Medizin, ich habe sie auch zu den besten Heilpraktikern geführt, wir haben Chemotherapie und Bestrahlungen angewendet und dann…
MIA: Boris!!!
BORI: Was ist?
MIA: Hör auf!
BORIS: Ist ja gut, ich höre auf, sei bloß nicht mehr so wütend.
MIA: Hör mir zu und unterbrich mich nicht!
BORIS: Ich höre, ich höre ja schon.
MIA: Ich weiß alles über dich und diese Schlampe, aber auch alles. Wir sind fertig miteinander. Ich will dich nie mehr sehen, nie mehr! Und keine einzige Nacht mehr mit dir unter einem Dach verbringen. Ist das klar?
BORIS: Klar!
MIA: Und nun leb wohl!
Mia geht zum Ausgang.
BORIS: Warte!
Mia bleibt stehen.
MIA: Was ist?
BORIS: Und wo soll ich hin?
MIA: Wohin du willst.
BORIS: Ich muss dann wohl zu meiner Mutter.
MIA: Das ist deine Sache. Leb wohl!
BORIS: Warte!
MIA: Was gibt es denn noch?
BORIS: Morgen kommt der Generaldirektor und besichtigt unsere Abteilung… ich brauche ein gebügeltes Hemd, mein neues Sakko und eine Krawatte.
MIA: Mann, ich will dich nie mehr wiedersehen… Schick deine Mutter oder einen Freund, deine Kleidung steht heute Abend in großen Kisten vor der Tür. Das Hemd kannst du dir selber bügeln.
BORIS (wendet sich Nina zu): Schrecklich, entsetzlich, das ist das Ende der Welt. Du bist an allem schuld. Du hast mich von meiner Frau und meinen Kindern, von meiner Familie entfremdet… ich bin blamiert… und das nur deswegen, weil du darauf bestanden hast, uns in diesem blöden Museum zu treffen, du hast mich verführt, du hast mich vernichtet.
NINA: Boris!
BORIS: Was ist?
NINA: Hau ab, du unverschämtes, mieses Schwein!
Schweigen.
BORIS: Aber…
NINA: Verschwinde aus meinen Augen, ich will dich nie mehr sehen. Mich ekelt’s vor dir. Hau ab.
BORIS: Und das ist der Dank, nach alledem… Aber lass nur, ich geh zu meiner Mama… Eh, hätte ich bloß auf sie gehört…
Boris begibt sich zum Ausgang, bleibt aber stehen. Er dreht sich zum Publikum und spricht seinen Abschiedsmonolog.
BORIS: Und so etwas passiert dann einem, der es allen recht machen will, einem Menschen, der den Wunsch hat, dass alle um ihn herum glücklich sind. Am Ende aber scheitert er, fast ohne eigene Schuld. Ich, der andere beglückt hat, bin nun auf Dauer unglücklich gemacht worden. Wie soll ich meiner Mutter vor die Augen treten? Was soll ich ihr sagen? Wie soll ich ihr erklären, dass das Leben mit meiner Frau derart unmöglich geworden ist, dass ich aus dem Ehehafen ausbrechen musste. Entsetzlich! Sie haben sicher schon von „Frauenhäusern“ gehört, eine geheime Unterschlupfmöglichkeit für Frauen von gewalttätigen Männern. Ich werde an die Regierung schreiben. Ich werde mich an die Ministerin für Soziales und generationsübergreifende Solidarität wenden… Und nun leben Sie wohl, Zeugen meines Unglücks.
Boris verlässt die Bühne, die beiden Frauen bleiben allein.
MIA: Endlich, das hätten wir auch gelöst.
NINA: Er war so was von verstört, verschreckt. „Sie hat Krebs… lag im Sterben.“ Er ist tatsächlich so erschrocken wie niemals zuvor.