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Kaiserverlag

(Ein) Käthchen.traum

Oder der seltsame Fall aus Heilbronn.
Profitheater Dramatik, Zeitstücke
Autor:
Gernot Plass
Besetzung: 2D / 5H / 1DEK
Rechte:
Frei zur DEA
Anmerkung:
Sehr frei nach „Käthchen von Heilbronn“ von Heinrich von Kleist

Würde man es mit hartem, aufgeklärtem Blick lesen, dann wäre das „Käthchen von Heilbronn“ üble romantisierende Propaganda.
Was liegt vor? Ein Märchen, in dessen Fortgang deutsche Kaiser ex machina emergieren, eigene Verfehlungen eingestehen und ein rechtschaffenes Mägdlein emporheben. Dieses lässt sich in Bezug auf die ihr zugeraunten Prophezeiungen nicht und nicht beirren,bis ihr nichts mehr fehlt zum höchsten Glück: die Heirat mit dem ihr vorherbestimmten „Märchenprinz“ samt Erhebung in den Adelstand ganz nebenbei. Und gleichzeitig ist dieses Märchen eine frühe Erkundung Nachtseite menschlicher Seelenökonomie.
So weit, so „modern“. Wie dem beispringen? Heute? Sollte man das verteidigen? Gernot Plass versucht eine Neudeutung und Überschreibung dieses dramatischen Filetstücks deutscher Ritter-Romantik und führt die Handlung zunächst über eine mafiöse Groteske in einen nervenzerfetzenden Psychothriller, um sie in eine Höllenfahrt fortzutreiben, bis er sich schließlich mit der Romantik wieder versöhnt. Love is in the air! Taschentücher mitnehmen.


Leseprobe

STRAHL: Schicksal ist ein menschgemachtes -
KÄTHCHEN: Nein.
STRAHL: … gedankliches Konzept, das uns die Welt erklären will,
obwohl die Welt sich nicht
dran hält. Der Engel Ratschluss, Gottesfinger, irgendeine unsichtbare
Hand, Bestimmung! All das sind nur Hilfs-Konstrukte, uns gedanklich
zu beruhigen, dass wir hier auf Erden und im Angesicht
des harten Zufalls und der Ausgesetztheit nicht verzweifeln.
KÄTHCHEN: Wir sind füreinander und seit Anbeginn der Zeit bestimmt!



Rezensionen

Uraufführung: 25.02.2017, TAG, Wien, Regie: Gernot Plass

Ein beeindruckender Abend. APA
Sehr witzig und präzise. Kurier
Spannend, komisch, klug. Die Presse
Zackige Dialoge, coole Action (…) ein ironischer Metathriller. Falter
Verdammt lustig. Neue Wiener Theaterkritik