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Kaiserverlag

Bildermacher, Der

Eine Kleinstadttragödie
Profitheater Dramatik, Zeitstücke
Autor:
Eva Holzmair
Besetzung: 3D / 3H / / 3Stat. / Simultanbühne
Rechte:
Frei zur UA

Die Geschäfte laufen schlecht für Karl Hauser, den Besitzer einer Bilderrahmenhandlung. Man versucht sich mit Auftragswerken für kitschige Motive über Wasser zu halten, aber langfristig hat dieses Geschäft in einer Kleinstadt keine Zukunft mehr.
Der Sohn Clemens, ein erfolgreicher Geschäftsmann, der in Australien lebt, erkennt bei einem seiner seltenen Besuche sehr schnell, dass seine Eltern aus der Schuldenfalle nicht mehr herauskommen werden. Und dann ist da auch noch Clemens‘ behinderte Schwester Petra, um die sich die alternden Eltern immer noch kümmern müssen. Für sie haben sie sich obendrein verschuldet. Da Petra körperliche Bedürfnisse zeigte, engagierten die Eltern in der nahegelegenen Großstadt einen Callboy.
Die Tragödie nimmt ihren Lauf, als Petra erfahren muss, dass dieser Mann, den sie in ihrer Naivität liebt und heiraten möchte, auch anderweitig aktiv ist.
Ein einfühlsames Theaterstück, dem es anhand einer kleinstädtischen, bürgerlichen Familie gelingt, die großen Zusammenhänge von Globalisierung, Landflucht, den Niedergang traditioneller Betriebe, die drohende Verarmung einer Mittelschicht, einen Vater-Sohn-Konflikt und vor allem die Thematik des sexuellen Anrechts von Behinderten aufzuzeigen.


Leseprobe

CLEMENS: Papa, ich muss mit dir reden. Heute noch.
KARL: Warum g’rad heute?
CLEMENS: Weil ich übermorgen schon im Flugzeug sitz’. Nach Singapur.
KARL: I hab‘ glaubt, du fliegst erst nächste Woche. Und dann nach Sydney.
CLEMENS: Du hörst einfach nicht zu. Ich hab’ gestern gesagt, dass ich am Sonntag fliege. Über
Singapur nach Sydney. Ich hab’s auch vorgestern gesagt. Und vorvorgestern. Ich bin nicht einmal eine
Woche hier, und mein Herr Vater hat keine Zeit für mich. Einmal sind’s Stadtansichten, die er
fertigmalen muss. Dann ist es ein Vortrag, den er vor Mitgliedern des Heimatvereins hält. Nun sind’s
fotografierte oder gestickte Geschmacklosigkeiten, die er rahmen muss. Und wenn er bei Tisch sitzt,
ist er abwesend. Hier geht alles den Bach runter …
KARL: I tu, was ich kann. Deine Mutter tut, was sie kann, und auch deine Schwester …
CLEMENS: Meine Schwester …
KARL: Ja, auch sie! Wir arbeiten wie die Blöden.
CLEMENS: Aber zu Mittag sperrt ihr zu. Wie eh und je. Und erst um vier wieder auf. Das ist doch nicht
zeitgemäß.
KARL: Zeitgemäß! Wie soll’n wir denn … zeitgemäß sein? Mit der Petra, die Pausen braucht, und ohne
Personal, das dann einspringt. Uns zahlt niemand Flüge und Fünfsternehotels.
CLEMENS: Glaubst du denn tatsächlich, ich fahr’ auf Urlaub? Die Reisen sind Teil meines Jobs.
KARL: Job! Wenn ich das Wort nur hör‘!
CLEMENS: Daran stört dich doch nur, dass mir mein Job mehr Spaß macht und vor allem mehr bringt
als deine … Arbeit.
KARL: Verschwind!
CLEMENS: Wir treffen uns um zwei bei der Gerti. Dann machen wir reinen Tisch. Denn so geht’s nicht
weiter.
KARL: Verschwind!