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Kaiserverlag

Lulu

Profitheater Dramatik, Zeitstücke
Autor:
Besetzung: 2D / 5H / 1DEK

Gustav Ernsts „Lulu“ entzieht sich der Rezeptionsgeschichte, die Lulu immer auch als armes Objekt, als Opfer, gehandelt hat. Der Versuch nicht in eine andere Männerfantasie hineinzufallen, sondern die Frage zu stellen, ob es nicht auch anders gewesen sein könnte, um den Mythos nicht zu prolongieren, war die Ausgangsposition zu dieser modernen „Lulu“.


Leseprobe

LULU: Sollen die Beine weiter auseinander?
SCHWARZ: Nein! Nein!
LULU: Ich kann auch das Höschen ausziehen!
SCHWARZ: Nein! Nein!
LULU: Natürlich muss ich das Höschen ausziehen! Das habe ich ja immer ausgezogen!
Im Film hat die Stone das Höschen ja auch ausgezogen! Das ist ja der Witz der Szene, oder nicht? Wie sich der dicke Polizist vorbeugt, um alles genau zu sehen. Mein Mann besteht auch darauf, dass das Höschen ausgezogen ist. (Sie beginnt sich das Höschen auszuziehen.)
SCHWARZ: Hören Sie auf, bitte! Nein!
LULU: Sie bekommen ja einen falschen Eindruck von mir, als mein Regisseur! (Er lässt den Fotoapparat fallen und springt zu LULU, um sie daran zu hindern.)
LULU: Rühren Sie mich nicht an! Sie haben kein Recht dazu! Nur weil Sie mein Regisseur sind!
SCHWARZ: Ich will doch nur ...
LULU: Ich weiß, was Sie nur wollen!
SCHWARZ: Jetzt beruhigen Sie sich doch!
LULU: Beruhigen Sie sich! Gehen Sie zurück!
SCHWARZ: Geben Sie die Hände weg von Ihrem Höschen!
LULU: Das sind meine Hände, mein Herr! Das ist mein Höschen! Ich kann meine Hände auf mein Höschen geben, so viel ich will!
SCHWARZ: Nein!
LULU: Wollen Sie bestimmen, was ich mit meinem Höschen machen soll? So weit sind wir noch nicht!
SCHWARZ: Ich kann nicht ... bitte!