Zum Inhalt der Seite springen
Kaiserverlag

Hyänen

Profitheater Dramatik, Zeitstücke
Autor:
Besetzung: 2D / 3H / 1DEK
Rechte:
Frei zur UA

Blutbefleckte Kleider, Panik, Schock und fünf Menschen, die sich in einem Raum in Sicherheit bringen – vor einem Attentäter in einem Supermarkt.
Fünf Menschen, die nun auf sich alleine gestellt sind und versuchen, das Geschehene zu rekonstruieren und mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen.
Gustav Ernst führt ein fast nüchternes Experiment durch. Seine Figuren sind entkernte Prototypen in einer Gesellschaft, die den Wahn und den Trugschluss der eigenen Sicherheit über alles stellt. Das bedeutet auch, dass das Individuum zum Wohle der Gesamtheit geopfert werden darf. Was geschieht also mit einer Gruppe von Menschen, die um jeden Preis überleben will und der dazu alle Mittel recht sind? Und war am Ende etwa alles vergeblich?
Ein nicht vordergründig politisches Stück, das aber gerade deswegen umso mehr eine irritierende Parabel für einen heutigen Gesellschaftszustand darstellt.


Leseprobe

5 (Mitternacht)

Finster. Alle liegen herum.
GALLI: Trainieren Sie viel?
BUNDY: Wie bitte?
GALLI: Sie haben so kräftige Beine.
BUNDY: Das haben Sie bemerkt?
GALLI: Sofort! Wie Sie die Hose ausgezogen haben.
BUNDY: Daß ich kräftige Beine habe? Das haben Sie bemerkt?
GALLI: Ich mag kräftige Beine. Männer müssen kräftige Beine haben, brutal kräftige Beine! Darf ich?
Sie tastet bewundernd seine nackten Beine ab.
GALLI: Oh, sind die kräftig, Ihre Waden!
BUNDY: Sind sie das?
GALLI: Oh ja, die sind besonders kräftig!
Sie setzt sich rittlings auf seine Bein und knetet sie.
GALLI: Was für Waden! Spannen Sie an! Spannen Sie Ihre Muskeln an! Mehr! Können Sie keine Muskeln anspannen?
BUNDY: Ich spanne eh!
GALLI: Mehr! Sie sollen anspannen!
Sie reitet auf ihm herum.
GALLI: Steif! Machen Sie Ihre Beine steif! Anspannen! Ganz fest anspannen! Ja! So! Mehr!
Sie zieht ihm die Socken aus.
GALLI: Darf ich Ihre Zehnnägel schneiden? Anspannen!
BUNDY: Sie wollen mir die Zehennägel schneiden?
GALLI: Sie haben schreckliche Zehennägel.
BUNDY: Womit? Womit wollen Sie die schneiden?
Sie zückt eine Nagelschere, zeigt sie, beginnt ihm die Zehennägel zu schneiden.
GALLI: Nicht locker lassen! Steif machen die Beine! Anspannen! Spannen Sie doch Ihre Muskeln an!
BUNDY: Au!
GALLI: Halten Sie Ihre Zehen ruhig! Ah, das ist ein Nagel! Ein ganz großartiger! Und ganz eingewachsen! Den will ich!
BUNDY: Au! Passen Sie auf! Au!
Er versucht sich loszumachen. Sie hinunterzustoßen.
GALLI: Reißen Sie nicht herum da! Bin gleich fertig! Der kleine Nagel!
BUNDY: Nein!
GALLI: Noch der kleine Nagel. Der winzige! Ich hab ihn gleich! Ich hab ihn gleich! Ich hab ihn!
Sie dreht sich herum, mit dem Gesicht zu ihm und greift ihm auf die Unterhose.
GALLI: Sind Sie inkontinent?
BUNDY: Was?
GALLI: Wieso tragen Sie keine Windel?
BUNDY: Windel?
GALLI: Sie sind ja ganz feucht da.
BUNDY: Feucht bin ich?
GALLI feuchtet ihre Finger an der Hose an und hält sie ihm unter die Nase.
GALLI: Da, sehen Sie wie feucht! Riechen Sie!
Ihm ekelt.
GALLI: Jetzt riechen Sie schon! Kosten Sie! Kosten Sie!
Sie drückt ihm ihre Finger in den Mund. Er windet sich.
GALLI: Machen Sie feuchter!
BUNDY: Was soll ich?
GALLI; Drücken Sie! Mehr! Feuchter! Ja! Feuchter! Noch feuchter! Und anspannen! Muskeln anspannen! So spannen Sie!
Sie wühlt in seiner Unterhose und reitet heftiger. Das geilt sie auch. Er wehrt sich vergeblich.
GALLI: Machen Sie naß! Fester! Nasser! Wunderbar! Richtig abstoßend! Versaut! Herrlich versaut!